Weiterentwicklung Berliner Dienstsitz Bendlerblock des Bundeministeriums der Verteidigung

Wettbewerb 2025
Ort: Berlin
Bauherr: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, BS III 1
Bruttogrundfläche: 30.000 m²
Entwurfsperspektive mit Blick vom Reichpietschufer auf die Weiterentwicklung des Bendlerblocks

Die Erweiterungsbauten des Verteidigungsministeriums entwickeln sich aus dem Dialog mit den bestehenden Gebäuden. Präzise gesetzte, einfache und gleichwohl selbstbewusste bauliche Volumina, sowie die Ausbildung, eines sich aus dem Bestand ableitenden Vokabulars von differenzierten Fassaden, sind der Ausdruck dieses Dialogs.

Städtebaulicher Hauptakteur bleibt das zentrale Empfangsgebäude am Reichpietschufer, der so genannte Bendlerblock, mit seiner Ausrichtung in der Nord-Süd Achse und seinen charakteristischen, dieser Achse folgenden Höfen.

Lageplan

Der neue Gebäudekomplex stuft sich im Grundriss, dem Straßenverlauf am Reichpietschufer folgend, zurück, bildet im Westen einen respektablen Abstand zur Hildebrandstraße und sichert zugleich weitestgehend den existierenden Baumbestand. Die Prominenz des historischen Empfangsgebäudes bleibt so erhalten.

Das Robinienwäldchen bildet den landschaftlich-naturnahen Gegenpol zu den streng gefassten Platzräumen. Unter einem lichten Blätterdach entsteht ein naturnaher, erholsamer Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität für Mitarbeitende. Ein Rundweg erschließt das Wäldchen und bietet entlang seines Verlaufs Verweil- und Aufenthaltsmöglichkeiten in ruhiger Atmosphäre.

Regenwasser wird hier vor Ort versickert und trägt so wesentlich zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Abrissgut des alten Paradeplatzes wird im Sinne einer ressourcenschonenden Materialverwendung wieder integriert und verwendet um Landschaftsbereiche sanft topografisch auszuformen. Der vorhandene Baumbestand bleibt erhalten und wird gemäß der Pflanzliste des Baudispenzvertrags durch weitere Gehölze und Sträucher ergänzt, um ein dauerhaft stabiles und artenreiches Vegetationsbild zu erzeugen.

Die drei Innenhöfe schaffen ruhige, grüne Rückzugsräume innerhalb der Gebäudekomplexe. Eine üppige, strukturreiche Bepflanzung sorgt für eine angenehme Atmosphäre und unterstützt das Mikroklima des jeweiligen Innenhofs durch Verschattung, Verdunstung und Frischluftzufuhr. In allen drei Höfen finden sich vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten für Mitarbeitende.

Das zentrale städtebauliche Element der Erweiterung ist der Paradeplatz. Das neue Nord- und Südgebäude fasst diesen, mit sich in Form, Funktion und Dimension aufeinander beziehenden Fassaden und gibt ihm die angemessene Bedeutung und zugleich einen szenografischen Rahmen.

Blick vom Paradeplatz

Die raumhaltigen, in der Tiefe gestaffelten Fassaden funktionieren damit als Prospekte für die diversen Aktivitäten auf dem Paradeplatz. Sie lassen sich den Ereignissen gemäß inszenieren, als großformatige Projektionsflächen, als repräsentativer Portikus, als vor Sonne- und Regen geschützte Kolonnade, sowie im obersten Geschoss als Zuschauerbalkon. Die originäre Stützenstellung resultiert aus der Orientierung des Blickes zur großen Treppe.

Der Entwurf arrondiert den westlichen Teil des Bendlerblocks und stärkt dessen städtebauliche Präsenz an dieser prominenten Lage. Durch die behutsame Einbeziehung des denkmalgeschützten Gebäudebestands entsteht ein harmonisches Ensemble aus Alt und Neu.

Ansicht Süd mit dem historischen Bendlerblock
Konzept Begrünung und Baumerhalt
Städtebau und Durchwegung

Das Konzept basiert auf drei Baukörpern, die sich klar lesbar um den Paradeplatz und den Bendlerblock gruppieren. Ein fünfgeschossiger Baukörper im Süden, westlich des Bendlerblocks, ein weiterer, nördlich des Paradeplatzes situierter Baukörper, der als Pendant zum südlichen fungiert und ebenfalls fünfgeschossig ausgebildet ist sowie ein zentraler, drei- bis viergeschossiger Baukörper, der die Vernetzung zwischen den Neubauten und den angrenzenden Bestandsgebäuden gewährleistet.

Im Bereich des Reichpietschufers nimmt die Neubebauung die ehemalige Blockrandstruktur auf. Das städtebauliche Konzept einer geschlossenen, orthogonalen Bebauung interpretiert die Gliederung des Bendlerblocks zeitgemäß und staffelt sich entlang der Baulinie zurück. In ihrer Höhenentwicklung ordnen sich die Neubauten dem denkmalgeschützten Hauptgebäude unter, entwickeln jedoch eine eigenständige, angemessene Präsenz. Der Endrisalit des Bestands wird aufgenommen und architektonisch fortgeführt. An der Schnittstelle zwischen Alt und Neu entsteht ein sensibler Übergang, der durch eine viergeschossige Zone mit Dachterrasse vermittelt und den Dialog zwischen Bestand und Erweiterung architektonisch sichtbar macht.

Der Entwurf der Freianlagen für das Bundesministerium für Verteidigung schafft eine repräsentative, funktionale und zugleich identitätsstiftende Gestaltung, die den besonderen, stark funktionalen Anforderungen des Ortes gerecht wird. Klare räumliche Gliederung, nachhaltige Materialwahl und eine hohe Aufenthaltsqualität prägen die Außenräume.

 

Konzept Paradeplatz
Transformation Fassade

Wettbewerb:

Vogeley, Philipp (Leitung)
Conrad, Lukas (Projektleitung)
Jüngling, Maximilian (Projektleitung)
Flohrer, Lukas
Fohmann, Kim

Fachplaner:

terra.nova Landschaftsarchitektur
hppberlin Ingenieure für Brandschutz
 

Visualisierung:

flooer Studio