Goslarer Ufer, Berlin

in Bearbeitung
Wettbewerb 2023, 1. Preis
Ort: Berlin
Themen: Wohnen, Klimagerechtes Design
Bauherr: Incept GmbH
Bruttogrundfläche: ca. 22.000 m²

Am Goslarer Ufer auf der Mierendorffinsel entsteht ein gemischt genutztes Quartier zwischen Blockrandstrukturen, großmaßstäblichen Gewerbebauten und der Uferkante des Charlottenburger Verbindungskanals. Der heute weitgehend versiegelte Standort mit prägendem Baumbestand wird als nachhaltige Transformation eines historisch industriell geprägten Ortes verstanden. Grundlage sind ökologische, ökonomische und soziale Ziele: Reduktion auf das baulich Notwendige, kreislauffähige Materialien, klimagerechte Konstruktion sowie robuste, langfristig nutzbare Freiräume.

Drei Kernnutzungen – Gewerbe, freifinanzierter und geförderter Wohnungsbau – werden so angeordnet, dass eine Realteilung möglich ist. Gewerbebau (Südwest) und der nördliche Riegel schließen an die Grundstücksgrenzen an und ergänzen das Straßenbild. Ein markanter Hochpunkt am südlichen Eck stärkt Adressbildung und reagiert vorausschauend auf eine mögliche künftige Brückenverbindung. Durch Drehung und Rücksprung des Hochhauses entsteht am Ufer ein qualitätsvoller Vorplatz, aktiviert durch öffentliche Nutzungen im Erdgeschoss. Moderate Gebäudehöhen – überwiegend 6–7 Geschosse, Hochpunkt 11 Geschosse – sichern Belichtung, Luftzirkulation und eine gute Nachbarschaftsverträglichkeit. Großzügige Durchgänge und Fugen verbinden Straßenraum und Hof, verbessern Orientierung und schaffen abgestufte Freiraumqualitäten von öffentlich bis privat.

Lageplan
Farb- und Materialkonzept

Der Innenhof bildet das grüne Zentrum: ein öffentlich einsehbarer Spielbereich mit Tischtennis, Wasserspiel mit Regenwasser, Sand- und Balancierangeboten. Eine Treppen- und Rampenanlage strukturiert die Übergänge zwischen öffentlichem und privatem Hof. Wohnungsnahe Spielbereiche, Privatgärten und Terrassen im Erdgeschoss werden durch Green-Boxes und Strauchpflanzungen gegliedert. Ergänzend entstehen Trockenbiotopflächen, Fahrradabstellplätze und vielfältig nutzbare Dachgärten mit Spielflächen, Urban Gardening, Gemeinschaftsterrassen und Biodiversitätsbausteinen, wie Insektenhabitate und Bienenstöcken. Ein Regenwasserkonzept mit Zisternen, Rückhalt und Versickerung unterstützt Klimaanpassung und Bewässerung.

Erdgeschoss
Dachgeschoss

Die vier Meter hohe aktivierte Erdgeschosszone definiert den Sockelbereich der Baukörper. Mit der gewerblichen Nutzung im westlichen Baukörper sowie im Erdgeschoss des Hochpunktes im Süden des Grundstücks öffnen sich diese einladend mit großzügigen Fensterfronten zum öffentlichen Raum. Die Kinderbetreuungseinrichtung wird geschützt vom Innenhof erschlossen und hat Zugang zu der öffentlichen Spielfläche im Süden, aber auch zu einer privaten Grünfläche im Westen.

Der nördliche Teil des Blocks befindet sich im Hochparterre, um die Privatsphäre der Wohnungen im Erdgeschoss zu gewährleisten. Entlang der Uferpromenade und im nördlichen Riegel reihen sich Townhouses als besonders attraktive Wohnform über zwei Geschosse und sind im Fassadenbild als eine Parzellierung ablesbar. Der Haupteingang für das freifinanzierte Wohnen in den Obergeschossen reiht sich ebenfalls in dieses Bild ein. Die Rücksprünge in der Fassade der Uferseite, markieren klar die Zugänge, stärken somit die Adressbildung und ermöglichen gleichzeitig einen überdachten und geschützten Eintritt in den Innenraum.

Im Hochhaus, dem Ost- und in großen Teilen des Nordriegels, befinden sich die freifinanzierten Wohnungen und im restlichen Teil des Binnenraums die geförderten Wohnungen. Die Holz-Skelettbauweise ermöglicht eine hohe Flexibilität in der Organisation der Wohneinheiten.

Ostansicht
Freiraum
Fassadentypen
Tragkonstruktion und Deckenaufbau

Jeder Gebäudeteil hat zwei Fassadenschichten. Die äußere Fassade besteht aus der filigranen Stahlkonstruktion und den darin liegenden Photovoltaikpaneelen zur Maximierung des Energieertrages. Die innere Fassade der thermischen Hülle, bestehend aus einer Holzständerwand mit Verkleidung und den Holzfenstern. Rankpflanzen verbessern Mikroklima und Sichtschutz; PV-Brüstungen werden je nach Kontext und Ertrag gestaffelt.

Das äußere Fassadenkleid ist immer eine Nuance dunkler als das Innere. Um die Gebäude miteinander auch optisch zu verzahnen, wird im Uhrzeigersinn die innere Fassadenfarbe zur äußeren Farbe des angrenzenden Gebäudeteils. Genauso wird die Farbigkeit insgesamt heller, je weiter sich das Gebäude in den Binnenraum eindreht.

Bei der Konzeption des Gebäudes wird großer Wert auf ökologische, ökonomische sowie soziale Nachhaltigkeit gelegt. Da ein Großteil der Energie und Emissionen, die ein Bauwerk über seinen Lebenszyklus erzeugt, bereits in der Herstellungsphase anfallen, ist der effiziente Einsatz der Baustoffe entscheidend für die Nachhaltigkeit des Gebäudes. Materialien werden nach Sinnhaftigkeit an jeder Stelle des Entwurfes hinterfragt und ressourcenschonend eingesetzt.

Auf Verbundstoffe wird verzichtet. Durch den hohen Vorfertigungsgrad kann die Bauzeit entscheidend verkürzt werden. Eine einfache Demontage der Details sichert die Wiederverwendbarkeit der Bauteile in der Zukunft. Auch in den Fassaden und im Ausbau werden überwiegend natürliche Materialien eingesetzt und besonders auf die Trennbarkeit geachtet.

 

Wettbewerb:

Vogeley, Philipp (Leitung)
Zou, Shixian (Projektleitung)
Conrad, Lukas
Flohrer, Lukas
Oestreicher, Anna
Stadtmüller, Lisa

Fachplaner:

Rabe Landschaften (Landschaftsarchitektur)
C4 engineers (Statik)
IB Hausladen Berlin (Haustechnik)
hhp Berlin (Brandschutz)

Visualisierung:

Flooer Studio