Der Lösungsvorschlag für das Innovationsquartier Rhombus entwickelt ein ganzheitliches und stimmiges städtebauliches Gesamtkonzept für das zu transformierende Areal. Die Reaktivierung des brachliegenden Industriegeländes birgt – nicht zuletzt aufgrund seiner zentralen Lage und des besonderen Charmes der industriellen Vergangenheit – ein enormes Potenzial für ein attraktives und zukunftsorientiertes Stadtquartier.
Aufbauend auf der vorliegenden Studie konkretisiert das Konzept die Freiraumgestaltung und Erschließungsstruktur des Quartiers – darunter Promenade, Quartiersplatz und Klimasee – sowie die städtebauliche Ausformulierung zentraler Baukörper wie Gesundheitsturm, Seniorenpflegeeinrichtung, Rhombus Campus und Innovationshaus. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität deutlich zu steigern und ein lebendiges, durchmischtes Quartier mit hoher Nutzungsvielfalt zu schaffen.
Die optimale Anbindung für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen an die Innenstadt wird durch den Steg über die B51 erreicht. Attraktive Rampen verknüpfen die unterschiedlichen Ebenen des Quartiers und ermöglichen einen barrierefreien Zugang. Ein öffentlich zugänglicher Aufzug im Foyer des Rhombus Campus erleichtert insbesondere mobilitätseingeschränkten Personen den Zugang zur Quartiersplatzebene. Der Übergang von der Promenade zum Quartiersplatz ist einladend und fließend gestaltet.
Beide Freiräume ergänzen sich funktional wie atmosphärisch: Die großzügige Promenade dient nicht nur als zentrale Erschließungsachse für den Fuß- und Radverkehr, sondern lädt mit ihrer Gestaltung auch zum Verweilen und Flanieren ein. Die Eingänge zum Schwimmbad und zum Haus der Vereine/Akademie, sowie die Kreativräume und das Innovationslabor der Akademie öffnen sich so den Besuchern und laden ein einzutreten.
Der Quartiersplatz bildet zusammen mit dem Rhombus Campus ein vielseitig bespielbares Ensemble. Das Foyer erstreckt sich entlang der Platzfassade, ermöglicht die Öffnung zum Platz und einen schwellenlosen Übergang von außen und innen. Dadurch lässt sich der Platz flexibel in Veranstaltungen einbinden und im Sommer das Gebäude bei Bedarf temporär erweitern.
Die Positionierung der Tiefgaragenzufahrten in unmittelbarer Nähe der östlichen und westlichen Quartierszugänge ermöglicht die Ausbildung eines verkehrsberuhigten Stadtquartiers. Eine Durchfahrt für den motorisierten Individualverkehr ist nicht vorgesehen. Lediglich Liefer-, Rettungs- und Entsorgungsfahrzeuge erhalten Zufahrt zur Promenadenzone – und auch nur im Rahmen des unbedingt notwendigen Betriebes.
Die Ausrichtung und Anpassung der Baukörper entsprechend der Struktur der bestehenden Shed-Fassade wird als grundlegende Maßnahme gesehen, um im Einklang mit diesem Relikt aus der Vergangenheit das Quartier schlüssig zu entwickeln. Der Rhythmus der historischen Shed-Struktur prägt das Gebäudeensemble des Innovationsquartiers Rhombus maßgeblich: Die neuen Baukörper orientieren sich konsequent an den Achsen der bestehenden Fassade.
In den Zwischenräumen wird die historische Mauer immer wieder sichtbar, während an anderen Stellen architektonische Analogien geschaffen werden. Ein Beispiel dafür ist der Rhombus Campus, in dem die Schwimmhalle die charakteristische Formsprache aufgreift. Ein besonderes gestalterisches Element bildet das freistehende Stahlgerüst auf dem Quartiersplatz, das die verbleibende Shed-Fassade stützt und diese visuell bis zur Promenade weiterführt. So wird das industrielle Erbe des Areals in vielfältiger und identitätsstiftender Weise in die neue Quartiersstruktur eingebettet.
Zur Gliederung der langen Fassade der Seniorenpflegeeinrichtung entlang der Promenade wird eine mäandrierende Gebäudestruktur mit Vor- und Rücksprüngen vorgeschlagen. Diese sorgt für eine abwechslungsreiche Fassadengestaltung sowohl zur Promenade als auch zur gegenüberliegenden Wohnbebauung. Der Neubau entspricht den Anforderungen des Raumprogramms in Bezug auf Bettenanzahl und Wohnflächen. Auch der Gesundheitsturm erfüllt die Vorgaben des Raumprogramms. Durch eine leichte Drehung fügt er sich harmonischer in das Gesamtgefüge von Seniorenpflegeeinrichtung, Rhombus Campus und Innovationshaus ein. Der Rhombus Campus bildet den zentralen Baustein des Innovationsquartiers und soll als „Leuchtturm“-Projekt für Wermelskirchen fungieren. Eine Umsetzung des ursprünglichen Bauvolumens auf dem privaten Grundstück ist möglich, ohne die Entwicklung auf dem öffentlichen Areal einzuschränken.
Das Innovationshaus greift – analog zum Rhombus Campus – die Formensprache der Shed-Struktur auf und bildet mit seiner repräsentativen Fassade einen markanten Abschluss am Quartiersplatz. In den unteren Geschossen entstehen flexibel nutzbare Büro- und Gewerbeflächen für Unternehmen und Start-Ups. Der Hochpunkt des Gebäudes nimmt flexibel unterteilbare und hochwertige Wohnungen auf und setzt einen städtebaulichen Akzent am südlichen Rand des Ensembles.
Der Entwurf greift die Materialität der historischen Shed-Fassade auf und erzeugt durch den Einsatz von Ziegeln ein harmonisches und ortstypisches Gesamtbild. Die Neubauten stehen durch eine ähnliche Materialisierung in Verbindung miteinander. Ein durchgehender, großzügig gestalteter Sockel entlang der Promenade sowie eine strukturierende Ziegelfassade in den Obergeschossen bilden verbindende architektonische Elemente, die das Ensemble visuell zusammenführen. Gleichzeitig ermöglicht die differenzierte Ausgestaltung der Fassadenfelder eine flexible Anpassung an die jeweilige Nutzung.
Die Gestaltung des Klima-Sees umfasst die Integration einer Böschung im südlichen Bereich. Der sanfte Übergang zum Wasser schafft nicht nur für Wassertiere und Vögel einen Lebensraum im Schilf, sondern integriert auch den geplanten Aufenthaltsbereich. An der nördlichen Uferseite wird eine Stützmauer integriert, die als Sitzstufe direkt am Wasser ein attraktives Element im Freiraum bildet und gleichzeitig als technisches Element zur Rückhaltung bei Starkregenereignissen dient. Dadurch kann der See kurzfristig zusätzliches Wasser aufnehmen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Überflutungsschutz im Quartier.
Entlang der Bundesstraße wird ein artenreicher Saum ausgebildet, der als naturbezogene Pufferzone dient. Durch gezielte Entsiegelung, Neupflanzungen und die Anlage von Retentionsflächen entsteht hier eine klimaresiliente Freifläche mit hohem ökologischen Wert. Die entstehende grüne Freifläche trägt nicht nur zur biologischen Vielfalt bei, sondern verbessert auch aktiv das Mikroklima und die Luftqualität im gesamten Quartier.
Wettbewerb:
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Flooer