Auf dem Grundstück an der Ecke Empire Circuit/Turrana Road sollen die Kanzlei und die Residenz für die Deutsche Botschaft in Canberra, Australien, neu errichtet werden. Aktuell stehen dort Gebäude, die im Jahr 1958 errichtet wurden. Ein Abriss und Neubau der Kanzlei sowie eine Instandsetzung bzw. ein teilweiser Erhalt des Residenzgebäudes werden als nachhaltigste und wirtschaftlichste Lösung erachtet. Zentrales Ziel des städtebaulichen Konzepts ist die sensible Einbindung der neuen Baukörper in die bestehende Umgebung. Die starke, landschaftlich geprägte Topografie des Grundstücks sowie der wertvolle, teils jahrzehntealte Baumbestand bilden den Ausgangspunkt der Entwurfsüberlegungen. Diese natürlichen Gegebenheiten werden nicht als Einschränkungen, sondern als identitätsstiftende Elemente verstanden, die maßgeblich die Positionierung und Ausformulierung der Bauvolumina prägen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Minimierung versiegelter Flächen. Der parkähnliche Garten soll als zentrales Gestaltungselement erhalten und in seiner Qualität gestärkt werden. Ziel ist es, durch behutsame Eingriffe und den Erhalt möglichst vieler Bestandsstrukturen nicht nur den Charakter des Ortes zu bewahren, sondern auch graue Energie effizient zu nutzen. Die Gebäude orientieren sich folgerichtig in Nord-Süd-Richtung, um sowohl energetisch als auch funktional optimale Bedingungen zu schaffen.
Im Sinne einer kompakten und ressourcenschonenden Planung wird die neue Kanzlei im Bereich des ehemaligen westlichen Flügels – dem einstigen Servicetrakt – positioniert. Auf diese Weise werden bereits versiegelte Flächen nachgenutzt und zusätzlicher Bodenversiegelung effektiv entgegengewirkt. Gleichzeitig erlaubt diese Setzung den Erhalt eines Großteils des schützenswerten Baumbestands, eine optimale Orientierung sowie den Erhalt des großen Freiraumes im nördlichen Bereich des Grundstückes. Die Auseinandersetzung mit den historischen Gartenplänen und der sensible Umgang mit Topografie, Vegetationsbestand und klimatischen Besonderheiten bilden die Grundlage für den landschaftsarchitektonischen Entwurf.
Durch die bewusste Konzentration der Baukörper im südlichen Grundstücksbereich werden die Flächen für Verkehrs- und Erschließungswege deutlich reduziert. Die neue Kanzlei wird so platziert, dass deren Errichtung und Inbetriebnahme bereits während des Rückbaus der bestehenden Bebauung möglich ist. Die entstehende Baugrube wird in das Konzept integriert: Hier entstehen ein neuer Vorplatz sowie der Zugang zur Kanzlei unterhalb des Erdgeschosses der Residenz. Die neue Kanzlei selbst wird als zweigeschossiger Bau mit ausgebautem Hanggeschoss und einem gemeinschaftlich nutzbaren Aufenthaltsbereich auf dem Dach konzipiert. Letzterer öffnet sich zu einer großzügigen Dachterrasse und bietet qualitätsvolle Räume für Pausen, Austausch und Begegnung.
Insgesamt entsteht ein Ensemble, das mit großer Rücksicht auf den baulichen und landschaftlichen Bestand sowie unter Einbeziehung ökologischer, funktionaler und städtebaulicher Aspekte eine zukunftsweisende Lösung bietet – nachhaltig, ortsverbunden und identitätsstiftend.
Der architektonische Entwurf für die Neue Botschaft in Canberra verfolgt das Ziel, die Bundesrepublik Deutschland im Gastland würdig und zeitgemäß zu repräsentieren. Dabei steht neben der adäquaten Darstellung deutscher Identität und Werte auch die funktionale Umsetzung der komplexen Abläufe in Kanzlei und Residenz im Mittelpunkt. Es entsteht ein Gebäudeensemble, das Offenheit, Souveränität und Modernität ausstrahlt und gleichzeitig den hohen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Sicherheit und Nutzungsqualität gerecht wird.
In Übereinstimmung mit dem Ziel der Bundesregierung, bis 2045 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, wird der Entwurf höchsten energetischen Standards gerecht. Dabei wird nicht nur der Betrieb, sondern bereits die Erstellung der Gebäude in die Betrachtung mit einbezogen. Der Neubau soll dabei die höchste Zielsetzung von 6 Sternen im australischen Bewertungssystem Green Star erreichen. Nachhaltige Baustoffe, optimierte Baukonstruktionen und der sensible Umgang mit Ressourcen sind integrale Bestandteile des Konzepts.
Während das Hanggeschoss mit seinen erdberührten Bauteilen als robuste Stahlbetonkonstruktion ausgeführt wird, entstehen die darüberliegenden Geschosse in ökologisch und gestalterisch hochwertiger Holzbauweise. Diese Kombination vereint statische Effizienz mit einer ressourcenschonenden Bauweise und schafft zugleich Räume von hoher ästhetischer und atmosphärischer Qualität. So entstehen gesunde, inspirierende und attraktive Arbeits- und Lebenswelten, die den hohen funktionalen und repräsentativen Ansprüchen der Botschaft gerecht werden.
Die plastisch ausgeformten Fassaden leisten weit mehr als nur einen Beitrag zur äußeren Erscheinung: Sie erfüllen höchste Anforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Wartungsfreundlichkeit, Sicherheit, Langlebigkeit sowie konstruktiven Sonnenschutz – und verleihen dem Gebäudeensemble zugleich einen eigenständigen, wiedererkennbaren Charakter. Die vertikal gegliederten Aluminiumfassaden mit ihrer wechselnden Amplitude erzeugen ein lebendiges Spiel aus Licht und Schatten, das an den leichten Fall eines Vorhangs erinnert. Ihre Gestaltung variiert in Abhängigkeit zur jeweiligen Gebäudenutzung und stärkt so die Differenzierung der Funktionsbereiche.
Die leicht reflexive Oberfläche der Fassadenelemente ermöglicht eine subtile Verbindung von Natur und Architektur: Das Gebäude tritt in Dialog mit dem umgebenden Grünraum und fügt sich harmonisch in den landschaftlichen Kontext ein. Ein besonderes architektonisches Element bildet das dreidimensionale Raumgerüst an der Nordseite des Residenzgebäudes. Dieses lässt sich durch textile horizontale Elemente auf zwei Ebenen flexibel bespielen. Je nach Tageszeit, Jahreszeit oder Veranstaltungsformat entstehen dadurch variable und atmosphärisch dichte Raumsequenzen, die sowohl funktional als auch gestalterisch eine besondere Qualität bieten.
Residenz
Das bestehende Hauptgebäude der Residenz bleibt erhalten und wird im Sinne der Nachhaltigkeit sensibel weiterentwickelt. Der offizielle Bereich wird im östlichen Teil durch einen zweigeschossigen Anbau sowie einen L-förmigen Service-Flügel ergänzt. Diese Erweiterung erfolgt als Skelettbau in Holzbauweise, was sowohl wirtschaftlichen als auch ökologischen Ansprüchen entspricht.
Im Inneren bleiben prägende Elemente wie die hochwertigen Parkettböden und die markante Treppe erhalten, während die Gebäudehülle energetisch ertüchtigt und gestalterisch an die Neubauten angepasst wird. Zur Straßenseite zeigt sich das Gebäude aus Sicherheitsgründen eher geschlossen, öffnet sich jedoch großzügig zum Garten hin. Ein Vordach im Süden schafft eine geschützte Ankunftszone, während im Norden ein strukturelles Raumgerüst vielfältige Verschattungsszenarien sowie einen neu eingefügten Balkon ermöglicht.
Kanzlei
Die neue Kanzlei wird westlich der Residenz in den bestehenden Baumbestand eingefügt. Das Bauvolumen setzt sich aus drei leicht zueinander versetzten Baukörpern zusammen, die sich von Südwest nach Nordost ausrichten. Diese Staffelung dient sowohl der optimalen Belichtung als auch dem größtmöglichen Erhalt des Baumbestands. Die natürliche Topografie wird genutzt, um das Erdgeschoss der Kanzlei auf der Höhe der Residenz zu platzieren, während der Zugang von der Straße aus einer Ebene tiefer erfolgt. Erdarbeiten werden durch die Nutzung bestehender Unterkellerungen auf ein Minimum reduziert.
Die funktionalen Anforderungen – wie effiziente Arbeitsabläufe, hohe Flexibilität und zukunftsfähige Technik – werden mit einer starken repräsentativen Wirkung verbunden. So entsteht ein Gebäudekomplex, der sowohl den internen Ansprüchen an Funktionalität als auch der Außendarstellung Deutschlands gerecht wird.
Wettbewerb:
Fachplaner:
c4 engineers (Tragwerksplanung)
Schüller Landschaften (Landschaftsarchitektur)
Cape Ingenieure (Energiekonzept)
JPW, Architekturbüro, Sydney (Beratung)
Visualisierung:
Flooer